Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Delmenhorster SK III - Findorffer SF II 5:3

 

Leider gelang es wegen einer überraschenden Absage nicht, mit mehr als sieben Zwerg... mehr als sieben Spielern gen Delmenhorst zu reisen. Also von vornherein schon mal 0:1, sozusagen als Trinkgeld. So ein Vorschuss hätte aber eigentlich eher andersrum Sinn ergeben, denn die Delmenhorster waren, wie nachträgliche Hochrechnungen der damit befassten Institute ergaben, im Durchschnitt um unfassbare 157 DWZ Punkte besser als wir - und wir sind ja bekanntlich schon wahre Giganten!

An Brett 1 kämpfte Partymüdigkeit (Bernd Winnemöller, 1948) gegen Erkältung *schnief hust müde* (Ralf Mulde, 1857) und schon nach wenigen Zügen zeigte sich, dass die Party wohl doch nicht so lange oder so kräftezehrend gewesen war, wie es mancher behauptete. Der mit Schwarz spielende Delmenhorster errang rasch nach einem weißen Eröffnungsfehler die etwas bessere Position. Am Brett 2 in der Begegnung von Blagoy Genov (1631) gegen Tim Boese (1908) war der Unterschied mit 276 DWZen zu unseren Ungunsten besonders groß, aber gerade hier sah man, erst staunend, bald bewundernd, unseren extra aus Hamburg angereisten Blagoy Genov mit Schwarz löwenähnlich kämpfen; die weiße Dame drang tief ins schwarze Lager ein, eroberte einen Bauern, und man wusste nicht, ob die holde Schöne überhaupt wieder zurückfinden würde. Brett 3 sah mit 179 DWZen wiederum einen Klassenunterschied, schon bevor die erste Figur bewegt worden war. Edu Mantei kam diesmal mit Weiß mit dem ihm aufgetischten Franzosen überhaupt nicht zurecht, wurde von Andree Stürken sozusagen aus den Startblöcken heraus ohne gute Entwicklung und mit ruiniertem Zentrum überspielt. An Brett 4 zwischen Lew Bendermann (1890) und Manfred Wardenberg (1738) beneidete kaum jemand den Findorffer um seine Stellung, in der der Delmenhorster seinen Vorteil mehr oder weniger ... mancher meinte eher weniger ... zielstrebig ausbaute. So wogte es also zwischen Hoffen und Bangen hin und her. Brett 5 sah unseren Kapitän Malte Hentrop (1678) mit den weißen Figuren gegen Robert Lasarsch (1819) einen den Kiebitzen spanisch vorkommenden Marshall-Angriff abwehren; dem Vernehmen nach folgte man lange der Theorie, bis Malte verlauten konnte: "Nach fünfzehn Zügen hatte ich keine Lust mehr auf Theorie und suchte nach einer mir noch unbekannten Fortsetzung", ich höre den Leser den Atem anhalten, aber "die sich als ziemlich passabel herausstellte." Christoph Redmann hatte an Brett 6 gegen den Delmenhorster Mannschaftsführer Ralf Wahrenberg eine ruhige Stellung mit leichtem Raumnachteil, was jedoch noch nicht allzu sehr beunruhigte. Ziemlich kompliziert wirkte der Spielverlauf an Brett 7, wo Hauke Munds Kontrahent Sören Grebener (1759) einen Gambitbauern klammerte, empörenderweise, ohne dabei größere Schwächen zu offenbaren. Wenig positionelle Veränderungen gab es selbstredend am 8. Brett, wo der Delmenhorster Peter Röhrs leider kampflos gewann.

Nach ungefähr zweieinhalb Stunden tat sich vor allem etwas an den Brettern 3, 5 und 7. Edu Manteis Stellung an Brett 3 verschlechterte sich weiterhin auf erschreckendste Weise. Hier war nun fast jede Hoffnung verflogen, bald darauf auch fast jedes weiße Material. Konsequenz war die Aufgabe des Findorffers. Malte Hentrop an Brett 5 schwächte Robert Lasarschs Angriff ein wenig ab und brachte diesen nun eine halbe Stunde lang ins Grübeln: ein gutes Zeichen. Aber der Delmenhorster hatte die Zeit genutzt, ein (Schein-) Turmopfer auszubrüten, dazu noch einen geopferten Bauern am Wegesrand wieder einzusammeln und schien die Position mit einem Bauernhebel schlussendlich zu seinen Gunsten zu verändern. Aber der Delmenhorster übersah in dieser Variante eine Kontermöglichkeit, die Malte dann auch wahrnahm. An dieser Stelle sei Robert Lasarsch Anerkennung ausgesprochen, die verlorene Partie rechtzeitig aufzugeben! Dies fällt manchen Bremer Schachspielern leider ausgesprochen schwer. Nun denn: Dies brachte einen 2:1 Zwischenstand; Leider nicht für uns.

Haukes Position an Brett 7 war alles andere als einfach. Allerdings erwies er sich nicht als ideenlos und erlangte ein wenig Gegenspiel, indem er durch Öffnung der h-Linie einen Königsnagriff startete. Mittlerweile drohte am 1. Brett die Partie zu unserem Ungunsten zu kippen. Bernd Winnemöller baute seinen Vorteil gegen Ra... hatschi ... (schnief tröt hust) Mulde brutalstmöglich aus und damit war die Geschichte auch schon erzählt. Das Endspiel respektive das dräuende Matt musste man nicht mehr aufführen. Spannend, allerdings auch weniger dynamisch blieb es an Brett 2 bei Blagoy Genov. Obwohl die weiße Stellung durchaus seine Sonnenseiten zeigte, sorgte ein brettbeherrschender schwarzer Springer auf d5 trotz Minusbauern mindestens für Ausgleich. Manfred Wardenbergs Position wurde zunehmend eingeschnürt. Auch seine Figuren wirkten weniger koordiniert als die seines Gegenübers, weshalb der Delmenhorster Manfreds Remisangebot natürlich ablehnte, indem er allerdings nicht antwortete, sondern zog - sein gutes Recht, aber mancher findet so etwas doch etwas sonderbar. An Brett 7 lieferten sich Hauke Mund und Sören Grebener ein immer spannender werdendes Duell. Die Kiebietze wechselten ihre selbstverständlich absolut fachmännischen Positionsbeurteilungen geradezu minütlich. Weiterhin unklar blieb Christoph Redmanns Partie an Brett 6. Nach mehr als vier Stunden war an Brett 4 die Entscheidung mit ungefähr neun Mehrfiguren für Bendermann gefallen. Diese total hoffnungslose Situation konnte aber einen alten Kämpfer wie Manfred Wardenberg, gestählt in den Regenpleiten des Bremer Weserstadions keineswegs dazu bringen, die Partie aufzugeben. Hauke indes nutzte einen Patzer von Sören Grebener aus und brachte den zweiten Findorffer Sieg ein. Zwischenstand 4:2 für die Heimmannschaft.

An Brett 2und 6 wurde noch immer tapfer gekämpft. Blagoy Genov hatte in einem Turm+Springer-Endspiel einen Minusbauern, der aber durch aktivere Figuren und schwache Bauern im gegnerischen Lager kompensiert wurde. Blagoy versuchte sogar noch, mehr herauszuholen, aber ... leider darf der Gegner ja auch immer noch mal ziehen und so rückte das Remis immer näher. Blagoy nahm das Remisangebot an, wohl wissend, dass damit die Findorffer Niederlage unterschrieben wurde. Aber es ging um Schadensbegrenzung und Christoph 6 ... Christoph Redmann am 6. Brett kämpfte deshalb noch eine Stunde weiter. Der Delmenhorster Ralf Wahrenberg hatte sich inzwischen im Endspiel von einem Bauern verabschieden müssen und so durften wir auf den vollen Punkt und damit den dritten Sieg hoffen. Aber es sollte nicht sein; im Turmendspiel entschied sich Christoph für die praktisch gesehen weniger chancenreiche Abwicklung, als er einen Bauern wiedernahm und musste somit mit einem Remis Vorlieb nehmen. Jedoch zeigten die flüchtigen Analysen nach der Partie, dass auch die andere Möglichkeit wohl in der berühmten Philidor-Stellung geendet hätte, ein Turmendspiel, das für den mit dem Mehrbauern gut aussehen mag, aber bekanntlich remis ist."

Die zweite Garde der Findorffer SF startete demnach denkbar ungünstig mit 0 Punkten aus 0 ... ähhh zwei Spielen und darf sich jetzt, wie die schwammigen Bilder diverser Kristallkugeln prophezeiten, mit dem Thema Abstiegsgefahr beschäftigen. Als nächstes darf die Reise nach Kattenesch angetreten werden, die, so sagte es das Schicksal voraus, einen ebenso schweren Stand in der diesjährig erstarkten Stadtliga haben könnten.


1.) Winnemöller,Bernd, 1948 ... Mulde,Ralf, 1857 ... 1 - 0
2.) Boese,Tim, 1908 ... Genov,Blagoy, 1631 ... 0.5 - 0.5
3.) Stürken,Andree, 1908 ... Mantei,Edward, 1729 ... 1 - 0
4.) Bendermann,Lew, 1890 ... Wardenberg,Manfred, 1738 ... 1 - 0
5.) Lasarsch,Robert, 1819 ... Hentrop,Malte, 1678 ... 0 - 1
6.) Wahrenberg,Ralf, 1757 ... Redmann,Christoph, 1693 ... 0.5 - 0.5
7.) Grebener,Sören, 1759 ... Mund,Hauke, 1576 ... 0 - 1
8.) Roehrs,Peter, 1755 ... NN ... +/-

DWZ.Summe DEL ohne Brett 8 = 12.998 = 1857 Durchschnitt // 11.902 Findorff = 1700 Durchschnitt


Verzapft: Mulde-Hentrop Productions