Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Duselsieg in Kattenesch 

SC Kattenesch I - Findorffer SF II 3,5:4,5

 

So hatten sich das die Findorffer nicht vorgestellt. Nachdem die ersten beiden Runden verloren gingen, mussten sie in Kattenesch siegen, um auch noch für das nächste Jahr die Chance zu wahren, in Bremens Oberhaus spielen zu können. Man war haushoher Favorit und erwartete einen völlig ungefährdeten Sieg. Doch es kam alles anders.

 

Schach_2010-2011_014Schon die Anreise war recht trübe. Zugefrorene Scheiben und die tiefstehende Sonne erschwerten den Mannschaftskampf schon vor Anlauf der Uhren. Dennoch kamen alle Finforffer sehr "pünktlich" an. Im Spiellokal eingetroffen verkündigte der MF der Kattenescher Hans-Joachim Steingräber zunächst, dass sie nur mit sieben Leuten antreten werden. Dies bedeutete für Ruzbeh Dehbozorgi - an Brett 8 aufgestellt - leider, dass er sogleich wieder die Heimreise antreten konnte. Er nahm es aber sportlich ("Hauptsache Punkt"). Somit gingen die Findorffer schon im Vorfeld 1:0 in Führung. Was sollte jetzt noch schief gehen? Die Begegnung Ralf Mulde gegen Zalman Mindel an Brett 1 schien zwar genau wie an Brett 4 (Edu Mantei - Gennady Goldin) Spannung zu versprechen, doch alle anderen Bretter wiesen eine Differenz von mehreren 100 DWZ-Punkten zu Gunsten der Findorffer auf.

Die Eröffnungsphase zeigte auf drei Bettern klare Tendenzen. Schon nach einer halben Stunde Spielzeit wurde klar, dass Christian Heukrodt an Brett 2 unserem Neuzugang Christian Laustetter keineswegs gewachsen war. Der FSF-Christian ließ seinen Namensvetter nicht zur Ruhe kommen. Die Rochade wurde verhindert und die Stellung positionell infiziert. Auch an Brett 5 konnte ich (Malte Hentrop) als Weißspieler meiner Favoritenrolle gerecht werden. Mein Gegenüber Uwe Hintze verschenkte in der Eröffnung ein Tempo, was sich als ausreichend fatal darstellte. Wundersame Ereignisse spielten sich auf Brett 6 ab. Hauke Mund spielte die Eröffnung gegen Harry Köpsel selbstsicher und schnell, doch leider nicht gut. Im Gegensatz zu seinem Gegner brachte er eine Reihe zweifelhafter Eröffnungszüge an und geriet stellungstechnisch leicht ins Hintertreffen. Die anderen Bretter zeigten eher ausgeglichene Stellungen.

Schach_2010-2011_018Nach nicht einmal anderthalb Stunden geschah auf Brett 2 genau das, was sich schon lange abzeichnete. Christian konnte seinen Gegner zur Aufgabe zwingen und brachte uns somit 2:0 in Führung. Auch an Brett 5 und 6 intensivierten sich die Ereignisse. Ich (Malte) konnte durch den Zug d2-d6 den gesamten Damenflügel festnageln und durch ein positionelles Bauernopfer dafür sorgen, dass sich diesbezüglich auch nicht so schnell etwas ändern wird. Nach 20 Zügen folgte die Aufgabe. Etwas schneller fertig war Hauke. Leider gelang es ihm nicht mehr ins Spiel zurückzufinden und wurde durch ein kurioses doppeltes Springermatt niedergestreckt. Das war für ihn sehr bitter, doch der Mannschaftssieg schien beim Spielstand von 3:1 für uns und den Momentaufnahmen der noch laufenden vier Brettern völlig ungefährdet.

Schach_2010-2011_016Denn während Ralf an Brett 1 eine solide Stellung aufwies, in der es für beide Seiten schwer war auf Sieg zu spielen, konnte Blagoy Genov am dritten Brett gegen Hans-Joachim Steingräber spielend mit seiner Stellung sehr zufrieden sein. Ein Mehrbauer und aktive Schwerfiguren versprachen gute Aussicht auf Erfolg. Auch Edu Mantei schien sich von dem Schock aus der letzten Runde gut erholt zu haben. Auch er konnte gegen Gennady Goldin einen gesunden Mehrbauern ohne positionelle Zugeständnisse erspielen. Jens Kettler lieferte an Brett 7 gegen Franz Böttcher eine recht ausgeglichene Partie ab.

Schach_2010-2011_017Während Blagoy seine Stellung verstärken konnte und seinen Gegner zur Aufgabe zwang, musste man sich bei einem erneuten Blick auf Edus Brett wundern. Aus einem vollen Brett mit Findorffer Mehrbauern wurde binnen weniger Minuten ein Turmendspiel mit Minusbauern. In ein Turmendspiel mündete auch das siebte Brett, auf dem Jens noch spielte. Hier leisteten sich beide Seiten haarsträubende Fehler, sodass der Gewinner hier schwer auszumachen war. Am Ende war es leider Jens der den letzten Bock geschossen hatte, in dem er seinen Turm einkesseln und einfangen ließ. Sichtlich enttäuscht streckte Jens die Waffen. Zwischenstand 4:2. Ein Mannschafssieg schien nur noch im Bereich des Möglichen bis Wahrscheinlichen. Denn mittlerweile stand auch Ralf bedenklich. Doch Edu machte alles klar. Er verstand das Endspiel und Gennady musste einsehen, dass hier nichts mehr zu holen war. So hatte es für Ralf "nur noch" persönliche Folgen, dass er die Stellung nicht mehr halten konnte.

Die Findorffer zeigten sich also nicht gerade von der besten Seite. Doch was schlussendlich zählt: Es konnten zwei Mannschaftspunkte eingefahren werden. Am viersten Spieltag wird dann in der heimischen Spielstätte die BSG III empfangen, gegen die es sicherlich nicht einfacher wird, aber letztes Jahr ein überraschender 6:2-Sieg eingefahren werden konnte. Man darf gespannt sein.

 

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Der Blick auf die Spitzenbretter: Ralf Mulde (r.) und Christian Laustetter

 

 

1 Mindel, Zalman (1807)
1:0 Mulde, Ralf (1857)
2 Heukrodt, Christian 0:1 Laustetter, Christian (1870)
3 Steingräber, H.-J. (1581)
0:1 Genov, Blagoy (1631)
4 Goldin, Gennady (1676)
½:½ Mantei, Edu (1729)
5 Hintze, Uwe (1341)
0:1 Hentrop, Malte (1678)
6 Köpsel, Harry (1328)
1:0 Mund, Hauke (1576)
7 Böttcher, Franz (1151)
1:0 Kettler, Jens (1573)
8 N.N. -/+ Dehbozorgi, Ruzbeh (1544)




 

 

Text: Malte Hentrop

Fotos: Malte Hentrop / Ruzbeh Dehbozorgi