Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Findorff.2 kam, sah und ging unter


In dem Land zwischen Wörpe, Leeste und Wümme liegt unter anderem ein Schwimmbad, in dessen Nebenräumen seit ungefähr siebentausend Jahren die Schachfreunde in Lilienthal ihr Domizil haben und - Neuerung gegenüber uralter Zeiten - inzwischen sogar Kaffee und Wasser zum Selbstkostenpreis anbietet, so dass man nicht mehr auf das erst irgendwann nach 11:00 h öffnende Bistro angewiesen ist: Löblich, löblich! So weit ich weiß, ist es der einzige Verein mindestens im Landesschachbund Bremen, in dem auf echten Schachtischen, also auf Tischen mit vom Tischler in das Holz eingefügten Schachfeldern, gespielt werden darf.

Man kennt sich zum Teil seit Jahrzehnten, so spielten z.B. Claus Meyerdierks und Ralf Mulde bereits als Jugendliche manche Partien bei damaligen Meisterschaften miteinander. Leider schafften es die Findorffer nicht, mehr als sechs Mann an die Bretter zu bringen; von "verdammter Seuche" war in Hintergrundgesprächen zu hören, selbstverständlich war auch Gaddafi schuld (man weiß nur noch nicht ganz genau, wie und warum) und von der planerischen Situation vor der Saison, dass man in dieser Mannschaft eigentlich zu viele (!) Spieler zu haben glaubte, war offenbar nichts übrig geblieben.

Aushilfs-Kapitän ist immer der, der ein bisschen schreiben kann, also heute Ralf Mulde, denn Lehrer Malte Hentrop half in der Ersten aus. Anscheinend schreibt Mulde aber mindestens am frühen Sonntagmorgen doch nicht deutlich genug, denn dass Blagoy nun mal "Genov" und nicht "Gehor" oder so ähnlich heißt, war für den Aussingenden offenbar schwer zu erkennen.

Eigentlich mussten wir nur drei Partien gewinnen und den Rest dann eben remis, würde ja schon reichen. Also weder Nerven noch Figuren verlieren und frisch voran, das war die Devise!

Nach ungefähr zwei, drei Stunden ist es sinnvoll, einen ersten Rundgang zu starten.
+ Mulde stand an Brett 1 mit Weiß gegen Simaneks Klassischen Franzosen gut, vielleicht besser, jedenfalls irgendwie angenehm, wer weiß das schon.
+ Werner Oswald hatte mit seinem Grünfeld gegen Claus Meyerdierks einen außerordentlich schweren Stand; die Wetten standen deutlich gegen ihn.
+ Blagoy Genov "an drei" hatte anscheinend gegen eine Art "Blumenfeld Gambit Spezial" seines starken Opponenten Thomas Müller (1957 DWZ) zu kämpfen und stand aussichtsreich.
+ Edu Mantei spielte mit Schwarz eine ruhige Partie gegen Heinz Rohdenburg, in der beidseits bis zum folgerichtig erscheinenden Remis nicht so richtig viel passierte.
+ Manfred Wardenberg legte sich mit Weiß gegen Jürgen Tönjes flott ins Zeug, ohne aber unvernünftige Risiken einzugehen; Jürgen hielt sich wacker, so dass die Aussichten beidseits gleich gut waren.
+ Am sozusagen letzten, dem sechsten Brett kämpfte Christoph Redmann, der am Sonnabend mit ungefähr dreiundsiebzig Telefonaten noch viel dazu beigetragen hatte, dass wir uns überhaupt zusammenfinden konnten, gegen Lothar "die Legende" Cordes. Die Position war lange ausgeglichen und das blieb sie dann auch bis zum Schluss: Remis.

Mit einem vollen Pfund aus der Glückstüte könnte es also für uns doch noch was werden, dachte sich Mulde. Zum Glück, ohne jemandem davon zu erzählen.

Zuerst schaffte es Werner Oswald, ein äußerst schwieriges Bauernendspiel gegen Claus Meyerdierks zu verteidigen, also remis. Das war kein Verlust, half uns also ein ganzes Stück weiter.

Unterdessen lehnte Manfred Wardenberg ein Remis-Angebot ab, da wurde also gekämpft. Allerdings sah die Stellung für einen zuschauenden, schwachen Spieler, also dem Kapitän, komplett ausgeglichen aus. Bei Edu Mantei keine Änderung, weder auf dem Brett noch in der Körperhaltung der Spieler, die sich erst beim Händeschütteln auflöste: remis. Auch kein Verlust. Vier Partien liefen noch.

Wenn wir es jetzt schafften, vielleicht die Partie von Ralf Mulde und Blagoy Genov zu gewinnen und es Manfred Wardenberg aus irgendeinem Grunde doch noch hinzaubern würde ... es war spannend. Und die Ereignisse fielen zeitlich fast zusammen:

Blagoy Genov überzog seine hübsche Stellung und musste leider aufgeben. So ähnlich war es bei Manfred Wardenberg, dessen Läuferopfer im Endspiel für neunzehn Bauern (oder so) nicht durchschlug; auch er musste aufgeben. Damit hatten die Lilienthaler schon 4,5 Punkte (zwei kampflos, ein Remis an Brett 2). Bei Christoph Redmann und Edu Mantei wurde folgerichtig auch Remis vereinbart, denn der Drops war gelutscht. Außerdem waren die Stellungen einfach völlig ausgeglichen.

Am ersten Brett entglitt Mulde zum x-tenmal in dieser Saison die Kontrolle über eine eigentlich eher "technische" Position und konnte sich freuen, am Ende ein Remis zu bekommen. Beide Spieler hatten nicht bemerkt, dass die Endstellung vielleicht noch immer minimal besser für Weiß war - und wenn man es nicht sieht, kann man eben auch nicht entspr. fortsetzen.

Damit dürfte Findorff.2 wohl den Gang in die A-Klasse antreten müssen, von wo aus dann eben im nächsten Jahr wieder der Aufstieg in Angriff genommen wird. Noch aber sind zwei Runden zu spielen, es kann trotz starker Gegnerschaft eben doch noch eine ganze Menge passieren - packen wir's an!