Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Mit einem blauen Auge davongekommen

DSK V - FSF III: 3,5 – 4,5

 

Vor dem Mannschaftskampf in Delmenhorst rechneten wir eigentlich mit einem recht lockeren Punktgewinn. Auch wenn Thorsten Ahlers in der Ersten aushelfen musste, waren wir vor allem an den vorderen Brettern auf dem Papier klarer Favorit. Nur das achte Brett, wo in Maike Janiesch kurioserweise die DWZ-stärkste Spielerin von Delmenhorsts Fünfter gegen Helmut Perrin eingesetzt wurde, konnte im Vorfeld Sorgen bereiten. Angesichts dieser Ausganslage hielten es die jüngeren Vertreter der Dritten auch nicht für notwendig für ausreichend Schlaf zu sorgen, einer verzichtete sogar ganz auf die Bettruhe. Und dieser Hochmut wäre um ein Haar bitter bestraft worden.

 

Zunächst schien alles wie erwartet zu laufen, die meisten Bretter entwickelten sich solide bis aussichtsreich und nach einiger Zeit konnte Ralf Mulde am Spitzenbrett gegen den um fast 400 DWZ schwächeren Mattis Trätmar nach einer souveränen Partie den ersten Punkt markieren. Das drohende Matt war nicht mehr zu verhindern. Aber schon einige Minuten später lag Findorff auf einmal hinten. Das Unheil bahnte sich an den Brettern drei und fünf an. An fünf hatte Jan Klüver gegen Kevin Silber, vor dem unser Mannschaftsführer Harmut Flasche- Alke zuvor angesichts einer Statistik von drei Punkten aus drei Spielen extra noch gewarnt hatte, das Nachsehen. Nachdem er erst eine Figur eingestellt hatte, streckte er wenig später in Anbetracht des nächsten, nicht zu verhindernden Figurenverlusts die Waffen. O-Ton Jan: „Das nächste Mal schlaf ich vorher richtig aus.“ Eine löbliche Einstellung, die auch ich mir im Nachhinein zu Herzen nehmen sollte. Am dritten Brett hatte ich gegen Ulrike Schlueter zunächst meine Mission fortgesetzt allen Theoretikern und Schachprogrammen zum Trotz das Königsgambit zu alten Ruhme zu verhelfen. Und tatsächlich konnte ich mich nach einem recht unorthodoxen Falkbeer-Gegengambit über Entwicklungsvorsprung und eine schöne Druckstellung freuen. Leider nutzt einem die beste Eröffnung nichts, wenn man den entstehenden Vorteil dann nicht sinnvoll umsetzt. Denn anstatt mich mit einem möglichen Qualitätsgewinn und weiterhin starken Druck auf den gegnerischen Königsflügel bei einem Minusbauern zufrieden zu geben wollte ich nun auch noch meine letzte Leichtfigur in den Angriff schmeißen. Dabei übersah ich aber komplett, dass diese nun von dem Turm, den ich einen Zug zuvor noch gegen meinen Läufer hätte tauschen können, geschlagen werden konnte. Nach kurzen und fruchtlosen Schwindelversuchen gab ich dann folgerichtig auf. Ein böses Erwachen.

Ein Blick auf die hinteren Bretter ließ zunächst wieder neue Hoffnung aufkeimen, denn Erich Casties hatte an Sieben gegen Stefanie Silber einen Mehrbauern und Läufer gegen Springer auf dem Tisch und etwas überraschend stand auch Helmut Perrin gegen Maike Janiesch sehr ausgeglichen. Erich konnte dann sein Endspiel aber nicht in einen Sieg ummünzen und einigte sich mit seiner einige Jahre jüngeren Gegnerin auf Unentschieden. Es sollte das einzige Remis des Tages bleiben. Denn Helmut hatte zwar seine Lektion aus der letzten Runde gelernt und bot angesichts von zwei Türmen auf beiden Seiten und ausgeglichener Bauernanzahl Remis, dieses wurde aber nicht angenommen. Leider machte sich dann doch der gewaltige DWZ- Unterschied bemerkbar und Helmut verlor zunächst einen, später immer mehr seiner Bauern und gab schließlich auf. Sehr schade, denn bis dahin war dies eine sehr solide gespielte Partie. Dafür dass Findorff zu diesem Zeitpunkt nicht noch weiter hinten lag hatte zwischendurch Uwe Staroske am vierten Brett gesorgt. Nachdem eine Menge Material vom Brett verschwunden war sah es mit jeweils drei Bauern verdächtig nach Remis aus, aber unser Fernschachmeister bewies, dass er auch den Nahkampf durchaus zu führen versteht und konnte sich mithilfe von Opposition und Zugzwang einen der gegnerischen Bauern und damit letztendlich den ganzen Punkt angeln.

Die Entscheidung musste nun also an den Brettern zwei und sechs fallen und Findorff brauchte beide Brettpunkte um den eigentlich ja fest eingeplanten Mannschaftssieg zu sichern. Glücklicherweise saßen dort mit Malte Hentrop und Günter Mattfeld zwei der besseren Findorffer an diesem Tage. Malte hatte am zweiten Brett zunächst eine vorteilhafte Stellung erreicht, in der er aber keinen Weg fand den Vorteil auch in Zählbares umzusetzen. Gerade als der Vorteil ganz zu verschwinden drohte unterlief seinem Gegner Thomas Pralle ein kleiner Fehler, den Malte gekonnt ausnutzte und zu einem unwiderstehlichen Mattangriff ansetzte. Wir waren also wieder gleichauf und nun lag es an Günter doch noch den Mannschaftssieg zu sichern. Und der zeigte heute eine tolle Partie. Eindrucksvoll demonstrierte er die Stärke zweier verbundener Freibauern im Zentrum und ließ einen der beiden bis zur gegnerischen Grundreihe marschieren, was seinen Gegner Dieter Sturm zwang einen Turm und direkt im Anschluss einen Läufer zu geben. Nachdem Günter dann mithilfe seines nun gewaltigen Materialvorteils die gegnerische Bauernübermacht dezimiert hatte war die Partie und somit auch der Mannschaftskampf mit 3,5: 4,5 gewonnen.

Das ging ja so gerade nochmal gut. Die kommenden Spiele müssen aber konzentrierter und vor allem ausgeschlafener angegangen werden. Denn die Gegner werden nicht leichter. Aber immerhin ist Findorff Drei mit nun neun Mannschaftspunkten alle Abstiegssorgen los und es darf weiter heimlich nach ganz oben geschielt werden.

 

geschrieben von Felix Lanfermann