Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

50 Jahre Findorffer Schachfreunde

Strukturwandel gemeistert – eigene Markenzeichen entwickelt



Im Dezember 1957 setzten sich einige engagierte Schachspieler zusammen und gründeten die Findorffer Schachfreunde. Ihr erster Vorsitzender wurde Ludwig Smit. Er führte den Verein annähernd 30 Jahre lang. Bemerkenswert: Insgesamt hatten die FSF in einem halben Jahrhundert gerade einmal drei Vorsitzende: Auf den greisen Smit folgte Gustav Honsberg, nach dessen plötzlichem Tod Karsten Ohl in den 90ern in die Bresche sprang. Nachdem die Spiellokale mehrfach gewechselt werden mussten, wurden die FSF im Vereinshaus Findorff heimisch. „Der Schachverein im Rundfunkmuseum“ auf der Bürgerweide wurde dabei zum Markenzeichen – nicht nur in Findorff. Ende der 90er Jahre beschloss die Stadt Bremen jedoch die Erweiterung ihrer Messe - und das Vereinshaus fiel der Spitzhacke zum Opfer.

Damit verloren der Schachverein und ebenso viele andere Findorffer Klubs ihre Basis und eine preiswerte Grundlage für ihre Aktivitäten. Der Umzug des Vereinshauses mit einer dezimierten Anzahl von Klubs in die Hemmstrasse brachte zwar mehr Platz und Komfort, die finanzielle Basis dieser Konstruktion ist aber nach wie vor wackelig.

Sportlich bewegten sich die Findorffer Schachfreunde, deren Mitgliederzahl meist um die 40 pendelt, 50 Jahre lang im soliden Bremer Mittelfeld. Die erste Mannschaft pendelt chronisch zwischen Stadt- und Verbandsliga, die zweite zwischen A-Klasse und Stadtliga. Aktuell freuen sich Findorff I und II über die „Herbstmeisterschaft“ in Stadtliga und A-Klasse. Allerdings hat der Verein seine Mitgliederbasis gerade bei den Hobby-Spielern verbreitert, so dass seit einigen Jahren eine dritte Findorffer Mannschaft antritt, die diesem Bereich gerecht wird und den Übergang von der Jugendgruppe zum Erwachsenenschach fördern soll.
Diese Jugendgruppe machte Anfang der 80er Jahre auch außerbremisch von sich reden. Angeleitet von Giselher Müller trat sie in der Jugendoberliga an und brachte namhafte Spieler hervor: das „Eigengewächs“ Florian Mossakowski hielt bis zum vergangenen Sommer den Findorffern als Trainer die Treue, obwohl er seine eigenen schachlichen Aktivitäten längst in andere Vereine verlagert hatte. Der früh verstorbene Burkhard Mentz war ebenfalls ein großes Talent aus dieser erfolgreichen Jugendarbeit. Ihm zum Andenken haben die FSF ihr „Mentz-Memorial“ als feste Größe im Bremer Schachkalender und seit drei Jahren auch als Bremer Schnellschach-Einzelmeisterschaft etabliert. Nach mehreren Jahren des Auf und Ab in der Jugendarbeit hat der Klub mit Detlef Ryniecki einen kontinuierlich arbeitenden Jugendleiter, eine stabile Jugendgruppe und arbeitet mit mehreren Schulen im Stadtteil zusammen.

Neuer Schwung nach Fusion mit Eisenbahnern

Rynieckis Arbeit beweist auch die erfolgreiche Verschmelzung des Eisenbahner Schachvereins Anfang des neuen Jahrhunderts mit den Findorffern. Beide Klubs sahen sich um das Jahr 2000 herum in einer kritischen Lage: Mitgliederschwund – oft durch beruflich bedingte Abwanderung junger starker Spier aus der Krisenregion Bremen in die boomenden Gegenden Deutschlands ausgelöst – und Überalterung ließen die Spielabende veröden. Der Zusammenschluss stoppte den Trend, brachte neue Dynamik in den Donnerstagabend.
Parallel dazu hat sich eine Modernisierung des Programms bewährt. Ein transparentes, einfach zu merkendes Schema bildet die Monatsstruktur: Blitzen am 1. Donnerstag des Monats, Klubturnier am 2. Donnerstag, Schnellschach am 3. und Training am 4. Donnerstag. Hat ein Monat fünf Donnerstage, kommt ein besonderes Angebot hinzu: Vom Doppelkopfturnier bis zum Vortrag über neue Computerschachtendenzen reicht das bisherige Spektrum. Beim Klubturnier wurde die Bedenkzeit radikal verkürzt (1 Stunde 30 Minuten je Spieler und Partie) – jetzt sind auch Schichtdienstler wieder am Brett.
Auch mit selbst entwickelten Angeboten versuchen die Findorffer den Nerv der Zeit zu treffen: Ein jährliches Familienturnier (je ein Jugendlicher und ein erwachsener Verwandter bilden ein Team) soll beweisen, dass Schach und Familie keine Antipoden sein müssen. Und das Open-Air-Blitzturnier im Biergarten fällt vor den großen Ferien zwar oft Sommergewittern zum Opfer, ist aber eine Riesengaudi, wenn es mal wirklich stattfinden kann.