Zehn Stunden konzentriertes Denken

Zehn Stunden konzentriertes Denken

Beim Findorffer Schachtag war auch Kondition gefragt

Das war anstregend! 44 Spieler lieferten sich im Vereinshaus Findorff einen Schachwettkampf, der ihnen alles abforderte. Bis zu zehn Stunden betrug die Gesamtspielzeit für einige Teilnehmer am „Findorffer Schachtag“, den die Findorffer Schachfreunde nach zwei Jahren Coronapause am 8. Oktober wieder veranstalteten. Da waren Kondition und Konzentrationsvermögen der Spieler gleichermaßen gefragt.

Turniersaal

Ein Blick in den Turniersaal

„Damit alle Partien auf Augenhöhe stattfanden, haben wir das Teilnehmerfeld entsprechend der Spielstärke in elf Gruppen aufgeteilt“, erläutert Turnierleiter Malte Hentrop, zugleich Jugendtrainer bei den Findorffer Schachfreunden. Das bedeutete drei Partien für jeden Teilnehmer. Und alle hatten für jede Partie eine Stunde Bedenkzeit zur Verfügung – zuzüglich einem Bedenkzeitzuschlag von zehn Minuten, wenn ein Match über mehr als 40 Züge ging, sowie einem Bonus von 30 Sekunden pro Zug. „Gerade bei den Topspielern in der Gruppe A konnte da eine Partie schon mal weit länger als drei Stunden dauern“, so Hentrop. Der sportliche Nutzen: Durch die Zeitzuschläge kann sich ein Spieler aus eigener Kraft von dem Schrecken aller Turnierspieler, nämlich der Zeitnot, befreien, die früher trotz Gewinnstellung oft zum Verlust führte.

4 Spitzenspieler

Die vier Spitzenspieler der A-Gruppe (vorne: Paul Meyer-Dunker gegen Leo Deppe; hinten: Max Weidenhöfer gegen Elkhatem abdel Wahab Salih - jeweils v.l.n.r.)

Am besten gelang das Paul Meyer-Dunker vom Berliner Schachverein TSG Oberschöneweide. Mit der höchsten Wertzahl (der Messlatte für schachliche Spielstärke) war er bereits als Favorit in das Turnier gestartet. Nach zwei Unentschieden in den ersten Partien reichte ihm ein Sieg in der letzten Runde gegen Leo Deppe (SC Bad Soden). Zugleich verlor der bis dahin führende Elkhatem A. W. Salih vom Gastgeber Findorffer Schachfreunde in extremer Zeitnot gegen Werder Bremens Nachwuchstalent Max Weidenhöfer. Meyer-Dunker, der auch Präsident des Berliner Schachverbands ist, kam so auf zwei Punkte vor Weidenhöfer und Salih mit je 1,5 Zählern und Deppe, der mit einem Punkt Vierter in der Meistergruppe wurde.

2 Jungs analysieren a

Zwei Jungs bei der Analyse                  

Dagegen kam es in der etwas schwächeren B-Gruppe zu toten Rennen von Gerald Jung (Werder) und Lukas Monnerjahn (SK Delmenhorst), die sich mit je einem Sieg und zwei Unentschieden den Gruppensieg teilten, sowie NazarTarasenko (SK Kirchweyhe) und Sören Pieper (Findorff) mit je zwei Remis und einer Niederlage.

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Hatte Grund zur Freude. Manfred Wolff spielte wie viele andere Findorffer ein zufriedenstellendes Turnier.

Für die Gastgeber hatte der Findorffer Schachtag allerdings einen bitteren Beigeschmack: Es war das letzte größere Turnier im Vereinshaus in der Hemmstraße. Der Besitzer der Immobilie kündigte dem Vereinshaus. Bis Ende November muss der Klub ebenso wie die vielen anderen neue Räume gefunden haben. Sie wollen das gemeinsam versuchen. Ob das angesichts knapper Angebote und hoher Mieten gelingt, sei noch fraglich, heißt es im Vorstand.

ein Bericht von Karsten Ohl

Fotos von Henning Lüders und Karsten Ohl