Wimpernschlag-Entscheidung in Dannenberg

Knappe Auftaktniederlage für FinWest in Verbandsliga

Das hätte auch anders ausgehen können. Selten war ein Verbandsliga-Wettkampf der „Ersten“ der Spielgemeinschaft FinWest so spannend wie der Start zur Saison 2022/23 als Gast beim MTV Dannenberg. Zum Schluss hieß es 4,5:3,5 für Dannenberg. Doch es hätte auch mit einem knappen Sieg der Bremer enden können.
Das FinWest-Team, das im Wendland antrat konnte sich sehen lassen. Der Mitgliederboom beim Findorffer Teil der Spielgemeinschaft lässt Sorgen um freigelassene Bretter gar nicht erst aufkommen und der neue Spitzenspieler, Elkatem abdel Wahab Salih, der im Sommer aus dem Emsland nach Bremen kam, stärkte das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft. Dennoch war FinWest an den Brettern 1 bis 5 Dannenberg nach DWZ knapp unterlegen, erst an den unteren Brettern waren die Gäste hauchdünn favorisiert. Umso erstaunlicher, dass FinWest sämtliche Punkte in der Begegnung vorne aus der Außenseiterposition heraus holte und hinten komplett leer abreiste.


Den soliden Beginn stellte Christoph Duchhardt an Brett zwei mit einem schnellen Remis gegen Dannebergs Uwe Grimm her. „Der ist auf 1. f4 spezialisiert und kennt da jede Variante“, lautete Duchhardts skeptische Beurteilung seiner Chancen vor der Partie. Aber geschickt lenkte er das Spiel in ein Königsgambit über und hielt es so im Gleichgewicht.
Dann aber unterlief Detlef Ryniecki an Brett 4 bei materiellem Vorteil ein Fehlzug gegen Dannenbergs Bernd Westerkowsky und FinWest geriet in Rückstand. Ebenso ungünstig aus Bremer Sicht der Partieverlauf an Brett 7: Karsten Ohl wurde als Weißer von Steffen Rudolph im Königsgambit mit einer Exotenvariante (3… f5) überrascht und geriet nach wenigen Zügen in eine Verluststellung. Aber Rudolph stolperte in eine taktische Falle, Ohl sanierte sich und erhielt Stellungs- und Bauernvorteil. Kurz darauf jedoch die nächste Wende: Eine Rochade zur falschen Seite ließ den Vorteil schwinden. Dennoch hätte eine Zugwiederholung ein Remis gesichert. Aber Ohl wollte den ganzen Punkt, überzog die Stellung völlig und musste kurz darauf aufgeben. Fast der gleiche Spielverlauf bei Malte Hentrop an Brett 6. Auch er wähnte sich (gegen Norbert Matzen) im Vorteil, lehnte ein Remisangebot des Gegners ab und musste bald darauf aufgeben.
Doch die Lage von FinWest war trotz des 0,5:3,5-Rückstands keineswegs hoffnungslos. Denn nun schlug die Stunde von Salih (an Brett 1 gegen gegen Hergen Schreck), Ali Reza Shabani (Brett 3 gegen Stephan Schebitz) und Uwe Körber (Brett 5 gegen Torsten Rosenburg). Zunächst trieb Shabani seinen Kontrahenten in einem Königsinder mit einem Bauernopfer (Selbsteinschätzung: „So hat Kasparow in seinen besten Tagen gespielt!“) und anschließendem Feuersturm in den Abgrund und holte damit den ersten Sieg für FinWest, dann legte Körber nach und zwang seinen Gegner zu Qualitäts- und Partieverlust. Und schließlich Gleichstand im Punktekonto durch ein erbarmungslos präzises Turm- und Bauernendspiel von Salih. Nun hing alles vom Ausgang des Matches an Brett 8 von Michael Huve (Dannenberg) und Jethro Bartel (FinWest) ab. Bartel erhielt zwar in einem Wolgagambit das üblich muntere Figurenspiel für den geopferten Bauern. Aber greifbare Vorteile ergaben sich für ihn nicht. Trotz zähen Widerstands des Bremers setzte sich der kleine Materialvorteil des Niedersachsen schließlich durch. Endstand also 4,5:3,5 für Dannenberg. Und Frust bei Ohl und Hentrop über die ausgeschlagenen Remisangebote. Das Wort „hätte“ hatte auf der Heimfahrt Konjunktur.
Karsten Ohl

Mannschaftsfoto FinWest I
Das Team FinWest I 2022/23: (vorne knieend von links nach rechts) Elkhatem abdel Wahab Salih, Christoph Duchhardt (hinten von links nach rechts) Uwe Körber, Detlef Ryniecki, Karsten Ohl, Malte Hentrop, Ali Reza Shabani, Jethro Bartel. Nicht auf dem Foto: Viktor Gesswein, Ingo Veit, Benjamin Kaufmann, Jake Bokelmann, Sören Pieper, Adrian Klabunde, Aslam Darsi, Herwarth Ernst, Ruzbeh Dehbozorgi, Jan Klüver.