Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Beim knappen Sieg in Verden stockte der Atem

Dieses Match wird keine der beiden Mannschaften so schnell vergessen. An sieben der acht Bretter lief im Vergleich von Verden I und FinWest I alles so, wie Schach-Mannschaftskämpfe eben laufen. Aber an Brett acht war alles anders. Fast zwanzig Züge lang Extremzeitnot, Beide Könige in Mattnetzen gefangen, komplizierteste Verwicklungen, die sekundenschnell bewältigt werden mussten. Und dann ein unglückliches Ende für Verden. Der tragische Held des Tages: der Verdener Fabian Wetjen, der glückliche Held: der Findorffer Sören Behrens. Der Respekt der Zuschauer galt beiden. Dass FinWest mit 4,5:3,5 die Oberhand behielt, war schon fast Nebensache. Aber eine Nebensache, die die Bremer strahlen ließ – und als Tabellenzweiter ein ungewohntes FinWest-Gefühl aufkommen ließ: Endlich mal keine Abstiegssorgen!


Zwei nach der Papierform ziemlich gleichwertige Teams traten in der zweiten Runde der Verbandsliga Niedersachsen/Bremen aufeinander. Und so ging nach schnellen Unentschieden zwischen dem FinWestler Benjam Kaufmann und dem Verdener Michael Hävecker sowie des Bremers Karsten Ohl gegen Torsten Vetter an den Brettern drei und vier alles den erwarteten Gang. Kurz darauf trickste Viktor Gesswein an Brett zwei den Verdener Ulf-Thea Fuhrmeister aus, indem er den Angriff auf seine Dame cool ignorierte, eine Gegendrohung aufstellte und damit eine Figur und die Partie gewann.
Aber die Führung der Bremer währte nicht lange. Malte Hentrop setzte an Brett sieben seine Dame weit unter Wert für das Decken von Bauern ein, übersah in deshalb schlechter Stellung eine Drohung der Verdeners Herbert Campe und weg war der Punkt. Dann konnten Detlef Ryniecki (an Brett sechs gegen Olaf Schmidt) und Uwe Körber (gegen Harald Palmer an Brett sechs) Stellungsvorteile nicht zu ganzen Punkten und damit zur Führung für FinWest umsetzen. Also jeweils Unentscheiden. Das Remis von Christoph Duchhardt am Spitzenbrett war mit genauer Verteidigung sogar schwer erkämpft, weil Verdens Matthias Westphal heftigen Druck gegen den weißen König erzeugt hatte. Also erstmal 3,5:3,5.
Doch nun konzentrierte sich nach soviel schiedlicher Friedlichkeit umso mehr Dramatik am letzten Brett. Dort hatte Fabian Wetjen mit Weiß Sören Behrens am Königsflügel überspielt. Aber der Bremer widersetzte sich dem scheinbar unaufhaltsamen Untergang. Behrens investierte eine Figur und mehrere Bauern, bis plötzlich der unrochierte weiße König in einem Mattnetz vom schwarzen Trio Dame, Turm und Läufer verharren musste. Und beide mussten sich mit kompliziertesten Fragen auseinandersetzen. Gab es für den materiell übermächtigen Weißen Opfermöglichkeiten, um der schwarzen Mattmaschine zuvor zu kommen? Konnte der schwarze König sich einen einzigen Zug lang vor weißen Mattdrohungen abschirmen, um der schwarzen Dame einen tödlichen Hieb zu ermöglichen? Mehrfach führten die Kontrahenten ihre Züge buchstäblich in letzter Sekunde aus, und in der Traube der Mannschaftskollegen, die Brett acht umstanden, war niemand, der in die Rolle von Behrens oder Wetjen schlüpfen wollte. Der fand trotz alledem die Rettungsgasse. Er opferte die Mehrfigur und ein paar Bauern und verstellte erst der Bremer Armada einen Zug lang den Weg, lenkte dann die Dame ab, tauschte sie ab und erlangte eine Gewinnstellung fürs Endspiel. Doch dann das Unfassbare: den Gewinnzug führte er einen Sekundenbruchteil zu spät aus. Zeitüberschreitung, aus, vorbei, Sieg für Behrens, 4,5:3,5 für FinWest. So spannend kann Schach sein.
Karsten Ohl