Findorffer Schachfreunde e.V.

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FinWest I dreht Verbandsliga-Vergleich mit BSG II und holt Remis


Der Schein trügt. Diese Weisheit bewahrheitete sich in der vierten Runde der in der Verbandsliga Nord Niedersachsen/Bremen im Match der zweiten Mannschaft der Bremer Schachgesellschaft und der „Ersten“ der Spielvereinigung FinWest eindrucksvoll. Und so gelang es FinWest, eine drohende Niederlage noch in ein 4:4 zu verwandeln.
Dass FinWest einen Manschaftspunkt beim Nachbarn BSG II entführen würde – danach sah es nach zweieinhalb Stunden Spielzeit wirklich nicht aus. Da hatte Benjamin Kaufmann am dritten Brett gerade ein Remis mit Armin Schoene vereinbart und Karsten Ohl versemmelte nebenan gegen den BSGler Thorsten Benecke eine ausgeglichene Stellung.


Und die Lage an den sechs noch bespielten Brettern? Alles schien ganz eindeutig: Ganz vorne brannte Ingo Veit ein Offensiv-Feuerwerk gegen Mikhail Tchetchelnitzki ab, während nebenan dessen Vater Boris Tchetchelnitzki den FinWestler Viktor Gesswein gerade in ein ziemlich hoffnungsloses Endspiel drängte. Zwei Bretter tiefer hatte der FinWestler Uwe Körber scheinbar unwiderstehliches Druckspiel mit Dame und Türmen auf der f-Linie und der siebten Reihe gegen den König von Jago Matticzk. Hoffnungslos für FinWest sah es dann wieder an Brett sechs aus, wo Axel Buhrdorf ein ganzes Figurenarsenal gegen die brüchige Rochadestellung von Ali Reza Shabani bei dessen ersten Saisoneinsatz für FinWest aufmarschieren ließ. Aber am nächsten Brett hatte sich Detlef Ryniecki mit Raum- und Bauernvorteil bei munterem Figurenspiel gegen Hayo Hoffer auf die Siegerstraße manövriert. Dass „unten“ bei FinWest dennoch keine echte Freude aufkam, lag am BSGler Robert Klemm, der Pflöcke in die Stellung von Malte Hentrop gerammt hatte und ihm kaum noch Luft zum Atmen ließ. Das alles sah sehr eindeutig aus – und so lag in der Addition eine 3,5:4,5-Niederlage von FinWest in der Luft.
Doch dann wurden alle gerade geschilderte Partieprognosen widerlegt. Nicht eine der sechs Partie nahm das scheinbar unabwendbare Ende.
Den Anfang machte Shabani: Aus schierer Verzweiflung opferte er die Qualität und trieb so Buhrdorfs König von „c1“ in die Brettmitte. Dort hätte der BSGler die eigene Dame gegen drei gegnerische Figuren tauschen und so mit Materialvorteil Shabanis Angriff stoppen können. Das aber versäumte Buhrdorf, und so konnte Shabani den König bis zur h-Linie in den Tod durchreichen.
Fast zeitgleich verspielte aber Ryniecki seine Gewinnstellung gegen Hoffer zu einem Turmendspiel, das „tot remis“ war. FinWest blieb damit auf der Verluststraße, denn Körbers Dame/Türme-Druckspiel verpuffte wegen einer Schwäche auf seiner Grundreihe. Materialgewinn ließ sich so nicht realisieren. Darum nur remis.
Dann kippte an Brett eins auch Veits Königsangriff. Mikhail Tchetchelnitski verteidigte sich zäh, ein Springer, den Veit optimistisch in die gegnerische Königsstellung getrieben hatte, besaß keine Rückfahrkarte und war verloren – also vorne doch kein Siegpunkt für FinWest. Ein paar Minuten lang drohte sogar eine Klatsche. Doch ausgerechnet die völlig hoffnungslose Lage von Hentrop verwandelte sich ins Gegenteil. Denn Klemm berechnete eine Abwicklung falsch, verlor eine Figur, und seine Stellung brach zusammen.
Jetzt hing alles von Gesswein ab. Und dessen Endspiel gab für Remis-Hoffnungen wenig Anlass. Zwar verringerte er die Zahl seiner Minusbauern von zwei auf einen. Aber der alte Fuchs Boris Tchetchelntski schien noch genügend Trümpfe in der Hand zu haben. Doch zeigte Gesswein, dass er ein Endspielkünstler ist. Mit einem Zug, den die Zuschauer erstmal für einen schrecklichen Fehlgriff hielten, glich er zwingend zum Unentschieden aus.