Findorffer Schachfreunde e.V.

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Nach 2:6-Niederlage kann es eng werden für FinWest I


Auch in diesem Jahr wieder höchste Abstiegsgefahr? Das wart das meist diskutierte Thema auf der Rückfahrt des Verbandsliga-Teams von FinWest I vom Auswärtsspiel beim Post SV Uelzen II. Denn dort hatte FinWest nicht nur eine 2:6-Klatsche kassiert, sondern auch die schachlichen Nachrichten, die während der Fahrt auf den Smartphones der Bremer eintrudelten, gaben Anlass zu Sorge: Unerwartete Niederlagen von Bremer Mannschaften in der Landesliga brachten Abstiegsmöglichkeiten der hanseatischen Teams in die Verbandsliga-Nord ins Spiel. Und wenn nun auch noch Verden oder Rotenburg auftrumpfen sollten, könnte es für FinWest tatsächlich eng werden.


Obwohl nach der Papierform eher ausgeglichen, zeichnete sich die Niederlage in Uelzen schon frühzeitig ab. Kurios: Nach rund zwei Stunden Spielzeit, hatten die Bremer an fünf der acht Bretter je einen Minusbauern an der Backe, ohne wirkliche Kompensation dafür zu haben. Nur die beiden unteren Bretter gaben Anlass zur Hoffnung. Und tatsächlich: Detlef Ryniecki münzte einen klaren Stellungsvorteil an Brett sieben gegen den jungen Finn Helms erst in einen Qualitätsgewinn um und machte aus diesem schon beträchtlichen Vorsprung einen immer größer werden Materialvorteil, ohne Helms Gegenchancen zu geben. Der einzige volle Punkt des Tages für FinWest war die logische Folge. Immerhin einen halben Punkt heimste Malte Hentrop ein Brett darunter gegen Ingo Büter ein – aus Hentrops Sicht war es „nur“ ein Remis. Denn er hatte riesiegen Raumvorteil. Allein die Bauernstrukturen auf dem achten Brett verwehrten ihm Gewinnwege.
Unterdessen tat sich an den Brettern zwei bis sechs ein wahrer Nullen-Berg für die Bremer auf. Zunächst wurde Benjamin Kaufmann an Brett vier von Yannek Nyenhuis förmlich überspielt und gab auf. Dann erwischte es ein Brett darunter Karsten Ohl. Er konnte einen strategischen Fehler in der späten Eröffnungsphase gegen Martin Bücklers nicht ausbügeln, der einen Läufer so sehr mit der Deckung von zwei Bauern beschäftigte, dass Ohl faktisch mit mit einer Figur weniger spielte und prompt einen Bauern verlor. Mit präzisem Spiel münzte Bücklers das in einen Sieg um. Ähnlich musste Viktor Gesswein an Brett drei mit ansehen, wie sein Widersacher Carsten Grabow einen Mehrbauern zum vollen Punkt verwertete. Zwischenzeitlich hatte Ingo Veit an Brett zwei bereits die Waffen gestreckt. Sein Angriffsspiel gegen Reiner Noack sah so verheißungsvoll aus, dass Veit allzu optimistisch Vollgas gab. Aber Noack parierte nicht nur defensiv, sondern legte Schwachstellen des FinWestlers gnadenlos frei. Noch ein Punkt für Uelzen. Schließlich erwischte es noch Mannschaftsführer Uwe Körber an Brett sechs. Gegen Torsten Rosseburg schlug klassische Körber-Angriff nicht durch, und die Stellung kippte schnell. Das aus Bremer Sicht die fünfte Null.
Immerhin gelang Christoph Duchhardt am Spitzenbrett gegen Joachim List noch etwas Schadensbegrenzung. Sein Eröffnungspremiere mit dem sizilianischen Morra-Gambit traf auf einen wohlvorbereiteten Gegner, der mit einer soliden Verteidigung Attacken die Spitze nahm. So schlidderte Duchhardt in ein zunächst verloren scheinendes Minusbauern-Endspiel mit jeweils Turm und gleichfarbigen Läufern. Aber die Bauernstruktur machte es Schwarz nach Turmtausch schwer, den Mehrbauern zum Laufen zu bringen. In der sechsten Spielstunde und nach 60 Zügen griff List dann zur Brechstange und opferte seinen Läufer für zwei verbundene Freibauern. Aber die konnte Duchhardts Läufer bequem stoppen und das fällige Remis kam den FinWestlern wie ein Sieg vor.
Karsten Ohl