Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Ersatzgeschwächte Findorffer setzen sich gegen Rotenburg durch

Was für ein Kampf! Zum Saisonauftakt der Verbandsliga-Nord Niedersachsen-Bremen lieferte sich die erste Mannschaft der Findorffer Schachfreunde eine Schlacht mit dem Schachklub Springer Rotenburg, der an Dramatik kaum zu überbieten war. Und die ersatzgeschwächten Bremer hatten zum Schluss Glück und Können auf ihrer Seite. Mit dem einem 4,5:3,5-Erfolg fuhren sie den doppelten Punktgewinn gegen die Gäste von der Wümme ein, der eigentlich ein Pflichtsieg war.

Doch von einem bevorstehenden Routine-Auftritt konnte zwei Tage vor dem Kampf keine Rede mehr sein, als sich plötzlich die Hiobsbotschaften häuften: Von drei der vier Findorffer Spitzenspieler lagen Absagen vor. Stand schon eine Woche vor dem Spieltag fest, dass Arend Viet und Ilja Bäumler nicht antreten würden, fiel am Freitag vor dem Verbandsliga-Auftakt auch noch der dritte Findorffer mit DWZ über 2000 aus. Mannschafts-Senior Viktor Gesswein konnte wegen eines Rückenleidens weder gesehen noch sitzen. Unmöglich für ihn, mehrere Stunden am Brett zu verbringen.

Dennoch war die Rumpfmannschaft der Bremer nach DWZ den Gästen aus Rotenburg ziemlich ebenbürtig. Vor allem an den unteren Brettern schienen Siege realistisch. Doch diese Hoffnung erhielt nach kaum einer Stunde einen Dämpfer. Thorsten Ahlers übersah an Brett sechs eine simple Drohung des Rotenburgers Kurt Rohde, verlor eine Figur und gab auf.

Aber Findorff konterte mit der Christoph-Zange am ersten und am letzten Brett. Hinten machte Christoph Redmann Dauer-Druck am Königsflügel gegen Josua Voigt. Vorne setzte Christoph Duchhardt gegen Martin Dennis schon in der Eröffnungsphase das Brett mit einem Figurenopfer in Flammen. Beide Rotenburger mussten Angriffswelle auf Angriffswelle abwehren. Voigt kam mit Qualitätsverlust noch halbwegs glimpflich davon. Aber Martin wurde in Duchhardts Infero auf Diagonalen und offenen Linien mit versteckten Mattdrohungen und Fesselung förmlich zerrissen und ging unter. So waren zwei volle Punkte durch die Christophs die logische Folge, und als Sören Behrens an Brett fünf gegen Stefan Krautwasser und Karsten Ohl an Brett zwei gegen Oliver Lebietz remisierten, führte Findorff nach gut zwei Stunden mit 3:2.

Lief also doch alles nach Plan? Keineswegs, denn ein Blick auf die drei restlichen Bretter lehrte die Findorffer das Fürchten. Keiner der Zuschauer traute den Bremern Felix Lanfermann (an Brett drei gegen Matthias Heinig), Uwe Körber (an vier gegen Peter Schreiber) und Malte Hentrop (an sieben gegen Werner Block) auch nur die Rettung ins Remis zu. Und tatsächlich musste Hentrop gegen den präzise spielenden Block bald aufgeben.

Aber Lanfermann und Körber schafften das Wunder an der Weser. Körber machte erst einen Qualitätsverlust wett und kam sogar zu einem Mehrbauern. Doch sein Gegner hatte genug Gegenspiel, um Körbers Materialvorteil zu kompensieren. So endete die Partie letztlich mit einem Unentschieden im Turm-plus Bauer-Endspiel. Aber nebenan lief die Schachmaschine Lanfermann plötzlich auf Hochtouren. Eigentlich schon eher im als am Abgrund stehend, bekam der Findorffer zunächst Hilfe durch seinen Gegner. Wohl im Vertrauen auf seine Dame, die bedrohlich im Lanfermannschen Lager stand, ließ sich Heinig auf einen Tausch seiner beiden Türmen gegen die Dame des Findorffers ein. Scheinbar konnte der Rotenburger auch gleich danach eine "Qualle" einstecken. Doch Lanfermann zauberte. Mit Mattdrohungen durch Turm und Springer zwang er Heinig in eine Springergabel, gewann so die gegnerische Dame und behielt schließlich einen Springer als letzte verbliebene Figur auf dem Brett. Aber der Gaul musste drei verbundene Freibauern blockieren. Das bekamen Springer und König gemeinsam für ein paar Züge tatsächlich hin . Und diese Zeit reichte Lanfermann, um seine eigene 3:2-Bauernmehrheit am anderen Flügel zur Geltung zu bringen. So kam er einen Zug eher zur Bauernumwandlung und damit zur Dame als sein Rotenburger Kontrahent. Der Rest war Technik. Aber der Findorffer Jubel über zwei wichtige Mannschaftspunkte war angesichts der Umstände wegen der fehlenden Topleute größer denn je.

Karsten Ohl