Findorff I gelingt Außenseitersieg gegen Leherheide

Damit hatten auch die größten Optimisten im Findorffer Verbandsliga-Team nicht gerechnet. In der dritten Runde der Saison schafften die Bremer einen Überraschungserfolg gegen Die SF Leherheide, obwohl die Gäste aus Bremerhaven an sieben der acht Bretter nach der Papierform klar höher einzustufen waren. 5:3 lautete das Ergebnis, mit dem sich die Findorffer direkt hinter den Überflieger SK Kirchweyhe auf Tabellenplatz zwei in der Verbandsliga Nord Nidersachsen/Bremen gebeamt haben. Es war ein Grand ohne zwei. Denn dass die beiden Findorffer Ranglistenersten nicht an den Brettern saßen, wertete die sportliche Heldentat noch auf.

Als die Bremer schnell in Führung gingen, dachten noch alle eher an einen Einzelfall von Schachglück, der den Ausgang des scheinbar ungleichen Kampfes nicht wirklich beeinflussen würde: Jake Bokelmann veranstaltete an Brett zwei in eigentlich ausgeglichener Stellung ein wenig Budenzauber mit einem Springer, der alle möglichen Gabeln gegen König, Dame und Türme seines Gegners Olaf Pienski drohte. Und obwohl eigentlich leicht durchschaubar erkannte Pienski diese Drohung in einer Art Blackout nicht. Der Springer wütete und das Resultat waren Turm- und Bauerngewinn - und das deshalb logische Aufgeben des Leherheiders.

Zwar waren an den sieben verbliebenen Brettern die Stellungen samt und sonders im Lot, doch angesichts DWZ-Defiziten von bis zu 200 Punkten schien es nur eine Frage der Zeit, bis Findorffer Ungenauigkeiten das Gleichgewicht stören würden. Aber nix da! Zunächst bot Karsten Ohl dem Bremerhavener Thomas Hufnagel an Brett vier nach kurzem, aber heftigen Schlagabtausch Remis an, was der Gast sofort annahm. Denn er hatte einen isolierten Doppelbauern vor seinem König verpasst bekommen. Doch die Analyse zeigte, dass Hufnagel diese Schwäche mit lebhaftem Figurenspiel ausgleichen konnte.

Minuten später baute Findorff die Führung sogar noch aus. An Brett drei "beerdigte" Viktor Gesswein (er war der einzige Findorffer mit DWZ-Vorsprung) einen Turm des Bremerhaveners Stefan Krüger auf der a-Linie so effizient, dass der praktisch eine Minusfigur hatte - und deshalb das Handtuch warf. Und plötzlich fing ganz Findorff an zu rechnen: Christoph Duchhardt an Brett völlig ausgeglichen gegen Thomas Ratjen. Felix Lanfermann an Brett fünf gegen Michael Tronnier: Mehrbauer für Lanfermann, wilde Stellung, beide Zeitnot - hoffnungsvoll, aber nicht sicher. Brett sechs - Uwe Körber gegen Detlef Richter: Erst der klasssische Körber-Angriff am Königsflügel unter Aufgabe von 32 der 64 Felder, dann wurde daraus ein Qualitätsgewinn bei Minusbauer, also punkteträchtig aus Findorffer Sicht. Nebenan Sören Behrens: supersolide trotz DWZ-Rückstand auf Norbert Rekow. Aber für diese 200 Zähler konnten sich Rekow in dieser Stellung rein gar nichts mehr kaufen. Also ein weiterer halber Punkt in Aussicht. Schließlich an Brett acht Christoph Redmann: Zunächst war seine Stellung gegen Volker Schattauer ausgeglichen. Aber dann gewann der Bremerhavener einen Bauern, doch Redmann blieben praktische Chancen auf Gegenspiel. Damit Zwischenbilanz nach rund drei Stunden Spielzeit: Summa summarum viereinhalb bis sechs Punkte waren drin für die Bremer Außenseiter. Selbst wenn es ganz dumm laufen sollte, müsste es zum 4:4 reichen - und damit zu Freude auf Findorffer Seite.

Doch es lief gar nicht dumm: Duchhardt remisierte planmäßig, Als Behrens dann sein Soliditätsremis einfuhr, machte Körber mit einem weiteren halben Punkt schon mal das Mindestziel 4:4 perfekt, Redmanns folgende Null war damit verkraftbar. Und Lanfermann verhedderte sich trotz Zeitnot bei einer Opferkombination von Tronnier nicht, umging fiese Fallen und gewann. 5:3 - wer hätte das gedacht!

Karsten Ohl