Findorffer Schachfreunde e.V.

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Kurioses Verbandsliga-Unentschieden in Verden

Das war nichts für schwache Nerven. Denn das 4:4 der Findorffer Schachfreunde beim Verbandsliga-Match in Verden bedeuteten für alle Beteiligten ein Wechselbad der Gefühle. Zauberhafte Angriffskombinationen endeten mit Damenverlust, listige Remisangebote nützen dem Gegner, klare Verluststellungen führten zu ganzen Punkten. Letztlich war das Unentschieden an der Aller damit aber das gerechteste aller denkbaren Ergebnisse.

Die Ausgangsbedingungen für Findorff I waren diesmal noch schwieriger als in den ersten drei Runden. Fehlten bislang stets nur die Ranglistennummern 1 und 2, war für den Kampf in Verden auch Christoph Duchhardt, die Nummer drei der Bremer, verhindert. Hätte man Findorff II durch dreifachen Abzug von Ersatzspielern nicht über Gebühr beuteln wollen, stand zunächst sogar ein unbesetztes Brett zur Diskussion. Doch ganz so dicke kam es dann doch nicht: Ali Reza Shabani entschied sich kurzfristig, wieder aktiv für Findorff zu spielen. Er wurde auf den letzten Drücker nachgemeldet und saß deshalb schon in Verden am Brett.

Der wahre Held war auch in Runde vier erneut Jake Bokelmann. Er hatte in Verden mal wieder eine durchfahrene Nacht im Taxi hinter sich und trat dann ohne eine Minute Bettruhe ausgerechnet am Spitzenbrett an. "Jake" hielt seine Stellung gegen Verdens Frontmann Matthias Westphal trotz 165 Punkten DWZ-Rückstand im Gleichgewicht und betrachtete dessen Remisangebot nach kaum 90 Minuten Spielzeit aber trotzdem als frühes Weihnachtsgeschenk.

Aber damit ging es im Kuriositätenkabinett erst richtig los. Karsten Ohl verließ kurz sein Brett drei, um nach den Stellungen der Mitspieler zu sehen. Was er an Brett sieben sah, verleitete ihn zu einem mannschaftstaktischen Eigentor. Dort hatte nämlich Malte Hentrop nach einem Springeropfer eine Traumstellung gegen Verdens Karsten Ockenfels: ein Springer wütete in dessen Königsstellung, Hentrops Dame hatte auf einer Diagonalen ganze Sprengladungen durch Abzugsschachs in der Tasche, auch die anderen Figuren standen prächtig. Das musste doch die Findorffer Führung sein. Was lag für Ohl da näher, als bei leicht besserer Stellung seinem Gegner Michael Hävecker remis anzubieten und die bevorstehende Findorffer Führung abzusichern. Doch ehe Hävecker sich entscheiden konnte, gellte ein Schreckensschrei Hentrops durch den Turniersaal. Die Dame eingestellt - einzügig, ein Blackout! Und nun war es Hävecker, dem ein Remis zu pass kam, denn es zementierte nicht die Findorffer, sondern die Verdener Führung. Also nahm er das Angebot an.

Und wenige Minuten später zeichnete sich neues Ungemach ab. Shabani überstürzte an Brett acht gegen Olaf Schmidt seinen Angriff und verlor eine Figur. Da bahnte sich also ein 1:3 -Rückstand für die Bremer an. Dass Mannschaftsführer Uwe Körber an Brett fünf gegen Harald Palmer eine druckvolle Angriffsstellung hatte, würde nicht für ein Untentschieden in der Gesamtabrechnung zu reichen, denn an den verbleibenden Brettern stand es allenfalls ausgeglichen. So war das Remis von Sören Behrens nach ruhigem, wenn nicht gar ereignislosen Partieverlauf an Brett sechs gegen Fabian Wetjen auch nur logisch.

Doch dann geschah das Wunder von der Aller. Ein unglücklicher Zug des auf Gewinn stehenden Schmidt ermöglichte Shabani einen Damenzug, der den Gegner sofort zerschmetterte: Grundlinienmatt, Damen- und Turmgewinn drohte gleichzeitig. Schmidt entschied sich für den Turmverlust als kleinstes Übel, doch zu retten war die Partie damit nicht. Also Zwischenstand 3:2 für Findorff. Aber das Gesamtergebnis ließ sich noch lange nicht vorhersagen. Denn Körbers Stellung sah nach einem Figurenopfer druckvoll aus, doch die späteren Analysen konnten keine Gewinnvarianten nachweisen. Felix Lanfermann schien an Brett fünf ein Remis gegen Torsten Vetter in der Tasche zu haben, solange er mit einem Läufer Zugzwang vermeiden konnte. Und an Brett zwei verwandelte Findorffs Viktor Gesswein eine ungemütliche Stellung zunächst in Ausgleich, dann in aktiveres eigenes Spiel, bis sein Gegner Frank Stüßmann die Geduld verlor und mit einem Figurenopfer ein Bauernendspiel im Handstreich beenden wollte. Aber so etwas lässt man gegen Gesswein besser bleiben. Und nun schien sogar ein Findorffer Gesamtsieg zum Greifen nahe.

Doch auch Findorffer Glückssträhnen reißen irgendwann. Körber musste seine Angriffsressourcen abtauschen lassen und geriet mit materiellem Nachteil in ein Endspiel in Abgrundnähe. Doch er fand in der fünften Spielstunde noch den Weg ins Remis. Also vorerst 3:3. Aber dann geriet Lanfermann in Zeitnot, übersah dadurch die fatalen Folgen eines Läufertausches, geriet in Zugzwang, verlor einen Bauern, der seine gesamte Stellung zusammenhielt, und das kostete die Partie. Jetzt war selbst für ein 4:4 ein Sieg Gessweins erforderlich. Und das war trotz Materialvorteils kein Kinderspiel. Aber der Findorffer spielte mal wieder eines seiner Präzisionsendspiele, die jede Remischance des Gegners im Keim ersticken. Also 4:4 nach mehr als sechs Stunden Spielzeit. Findorff feiert Weihnacht auf Tabellenplatz drei. Auch mal schön.

Karsten Ohl