Findorffer Schachfreunde e.V.

Hemmstraße 240, 28215 Bremen, 2. Etage Vereinshaus

Unerwarteter Erfolg für Findorff I in Cadenberge

Zum Schluss konnten die Findorffer ihr Glück kaum fassen: Mit nur sechs statt acht Spielern zur SG Niederelbe nach Cadenberge gefahren, nach zwei Stunden Spielzeit mehr im als am Abgrund - und dann schüttete die Schachgöttin Caissa ihr Füllhorn über den Bremern aus. Mit einem 4,5:3,5-Erfolg fuhren die Findorffer von der Elbe zurück an die Weser. Damit war zugleich die letzte minimale Abstiegsgefahr gebannt. Und nach den Super-Klatschen in den beiden vorangegangen Runde wurde das Team diesmal reichlich entschädigt.

Dabei schien einer Niederlage für Findorff zunächst unabwendbar: Die beiden Spitzenbretter , wo Findorff deutliche DWZ-Vorteil gehabt hätte, waren verhindert. An den Brettern drei und vier hatten Viktor Gesswein und Karsten Ohl zwar jeweils um die hundert Punkte mehr auf dem Konto als ihre Widersacher Timo bzw. Frank Sturm. Doch an den vier unteren Brettern waren die Bremer nach DWZ teils deutlich, teils knapp im Nachteil. Wie sollte da der 0:2-Malus auszugleichen sein?

Und tatsächlich war von Ausgleich erstmal nichts zu sehen. Ausgerechnet der zuverlässigste Findorffer, Viktor Gesswein kam mit einem isolierten Doppelbauern aus der Eröffnung heraus, ohne dass dafür Kompensation erkennbar war. Nebenan war es Ohl zwar gelungen, aus einem Königsinder eine Druckstellung am Königsflügel zu entwickeln - aber einen konkreten Gewinnweg ergab auch die nachträgliche Analyse nicht. Und auch an Brett fünf hatte Felix Lanfermann gegen Frank Sobattka erstmal nicht mehr als Ausgleich auf dem Brett.

So ließ das Kampfgeschehen vorne schon wenig Siegeshoffnung aufkommen. Doch die Mittelspielstellungen an den Brettern sechs bis acht schienen sogar hoffnungslos. Uwe Körber hatte gegen Guido Griemsmann nicht nur einen Bauern eingebüßt, sondern auch noch einen Läufer zur Bewegungslosigkeit verdammt. An Brett sieben schien es zwar kurzzeitig, dass Sören Behrens nach einer französischen Eröffnung gegen Peter Saphier von dessen Felderschwäche auf "e6" durch einen Springerangriff profitieren könnte, doch der Cadenberger konterte die Attacke zur Verblüffung aller Umstehenden mit einem überraschenden Scheinopfer aus. Hier drohte also die nächste Findorffer Niederlage.

Aber dann kam Behrens Gala-Auftritt. Ein doppelter Konter mit einem starken Gegenopfer und einem fast schon genialen Bauernzug warf Saphier wohl auch psychologisch aus der Bahn. Er fand die Widerlegung nicht und war kurz darauf matt. Ähnlich die Entwicklung an Brett acht, wo Findorffs Malte Hentrop ein eigentlich hoffungsloses Endspiel mit Minusbauern und munterem Turm-Springer-Allianzen seines Gegners Björn Dettmers hatte. Doch der verhedderte sich in der eigentlich leicht zu spielenden Stellung und büßte entscheidendes Material ein, das Hentrop zum lockeren Gewinn reichte.

Das gleiche Kunststück gelang Körber. Auch dessen Gegner spielte den nahen Sieg vor Augen ungenau. So ließ sich Griemsmann dazu hinreißen, Körbers eingesperrten Läufer mit dem König abzuräumen - um den Preis eines entfernten uneinholbaren Freibauern für den Bremer. Dennoch waren sich die Teamkollegen einig: Einfach zu gewinnen war die entstandene Stellung nicht: Körber mit Dame und weiterem Freibauern musste sich eines Springers erwehren, der drei verbundene Freibauern beim Vormarsch unterstützte. Und der Körber-König war verdächtig weit vom Ort des Geschehens entfernt. Selbst nach der Eroberung eines der drei Bauern schien das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber Körber spielte präzise, erzwang mit dem Vormarsch des eigenen Freibauern, dass der gegnerische Springer sich opfern musste, und dann konnte die Dame Griesmanns Freibauern stoppen und abräumen.

So waren es schließlich diese drei Verluststellungen, die Findorff in Siege ummünzte. Einen weiteren vollen Punkt hatte Lanfermann da schon einfahren, nachdem sein Gegner Sobottka sich zu einem Qualtätsopfer hinreißen ließ. Das brachte einen starken zentralen Springer des Cadenbergers, aber auch offene Linien für Lanfermann, der damit seinen Materialvorteil umsetzen und einen Bauern zur Dame umwandeln konnte. Für den Gesamtsieg reichte deshalb das Remis, mit dem sich Ohl nach verplätscherten Angriff und überstandenem Gegenschlag am Damenflügel weiteren Ärger vom Hals hielt. Dass Gesswein derweilen an seinem isolierten Doppelbauern zugrunde gegangen war, war nur noch ein Schönheitsfehler.

So haben die Findorffer schon eine Runde vor Saisonschluss zweierlei gelernt: den Totalausfall ihrer Spitzenbretter wegzustecken und die Kunst des schachlichen Minimalismus zu zelebrieren: In acht Begegnungen gerade mal 27,5 Brettpunkte (im Schnitt als nichtmal 3,5 Zähler) zu erzielen und daraus vier Mannschaftssiege und ein Unentschieden zu zaubern, muss ihnen erstmal jemand nachmachen.
Karsten Ohl